Nach Wochen langem anti-amerikanischen Gezeter in den Medien und in der Bevölkerung ist es gestern passiert:
George W. Bush hat Mainz und die US-Airbase in Wiesbaden besucht. Zum Glück ist alles völlig reibungslos verlaufen.
Ob es bei allen vordergründigen Freundschaftsbekundungen politisch viel genützt hat, wage ich zu bezweifeln.
Vielmehr hat es m.E. dem Ansehen Deutschlands in der Welt enorm geschadet - und das ist nicht Bush's Schuld!
Auf allen in- und ausländischen TV-Kanälen wurden geifernde Anti-Bush-Demonstranten gezeigt.
BBC World, der wohl seriöseste Nachrichtensender der Welt, hat sich verzweifelt bemüht, auf den Straßen von Mainz auch eine(n) Deutsche(n) zu finden, der / die sich über den Besuch freut. Fehlanzeige!
Ich frage mich:
Was hat der Mann uns eigentlich getan???
Naja, er hat sich ohne unsere gütige 'Erlaubnis' ganz dreist erneut zum Präsidenten der USA wählen lassen.
Gewiss, durch die großräumigen Absperrungen im Rhein-Main-Gebiet ist ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden entstanden.
ABER:
- Gegenüber den Schäden, die unsere Politiker durch ihre katastrophale Wirtschaftspolitik und ihren Bürokratiewahn anrichten, war das ein Fliegenschiss
- Nicht Bush, sondern der internationale Terrorismus mit seinen vielfältigen technischen Möglichkeiten hat doch diese extremen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich gemacht! Ich glaube ohne weiteres, dass Bush lieber im offenen Wagen durch eine Menschenmenge fährt als nach seinen eigenen Worten "in einer Blase" zu leben. Aber die Zeiten sind halt nicht danach - schon seit Kennedy in Dallas.
Was also soll dieses intellektuell und moralisch verkommene Vertauschen von Täter- und Opferrolle, in dem die Deutschen wahre Meister sind (s. auch unsere Strafrechtspraxis)?
Und was soll überhaupt dieser primitive Anti-Amerikanismus, diese billige Häme, diese menschenverachtenden Beleidigungen?
(Jawohl, nicht nur mutmaßliche Terroristen in Guantanamo, sondern auch ein George W. Bush ist ein Mensch und hat ein Recht auf Respektierung seiner Menschenwürde!)
Brauchen wir unbedingt ein neues Feindbild, nachdem uns "der Russe" also solches abhanden gekommen ist? Und wenn schon - ist der wahre Feind nicht der Terrorismus, den Amerika zusammen mit ein paar vernünftigen Partnern konsequent bekämpft?
Wann wird bei uns endlich mal gegen den Terrorismus demonstriert? Nicht, dass es was nützen würde - nur so als Zeichen ...
Jedenfalls fand ich die Begleitumstände des Bush-Besuchs zum Kotzen. Ich war nie 'stolz, ein Deutscher zu sein'. Das ist ein dubioses Privileg Ewiggestriger, die es offenbar als ihr Verdienst ansehen, in dieses Volk hineingeboren worden zu sein.
Aber gestern habe ich mich zutiefst geschämt, ein Deutscher zu sein!